Freitag, 25. September 2009
-brüderlich-
Der Österreicher ist zurzeit "ein bisserl" stolz. Immerhin hat der gebürtige Steirer Franz Strohsack, den man auf internationaler Ebene besser als austrokanadischen Investor Frank Stronach kennt, mit seinem Unternehmen Magna gerade den deutschen Autohersteller Opel übernommen. Es ist eine "Auszeichnung für das österreichische Unternehmertum" meint Österreichs Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) und die Tageszeitung "Österreich" bezeichnet die Magna-Verantwortlichen schon mal wenig zurückhaltend als "Sieger". Wohlwissend, dass die 27,5 %, welche der Autozulieferer tatsächlich von Opel übernommen hat, nicht einmal zu einem knappen Sieg nach Punkten reichen. Zu sehr ist man in nächster Zeit auf ein Zusammenspiel mit der russische Sberbank (ebenfalls 27,5 %) und General Motors (35%) angewiesen. Nichtsdestotrotz: Österreichische Unternehmen haben in Deutschlands Wirtschaft in den letzten Jahren kräftige Ausrufezeichen gesetzt - selten zum Wohlwollen des deutschen Bürgers, umso öfter zum Gefallen des österreichischen Patriotismus.
Strabag gewinnt "in allen Punkten"
Drei Jahre lang bekriegten sich der österreichische Industrielle Hans-Peter Haselsteiner, Chef des Baukonzerns Strabag, und die Stuttgarter Industriellenfamilie Lenz vor den deutschen Gerichten. Unschöne Worte fielen in dieser deutsch-österreichischen Auseinandersetzung: Haselsteiner musste sich als "Hütchenspieler" bezeichnen lassen und befand seinerseits Eberhard Lenz als "schwäbisches Heuschreckle". Der Grund für die Auseinandersetzung: Der österreichische Konzern Strabag hatte 2005 im Zuge der Insolvenz des großen deutschen Baukonzerns Walter Bau die Mehrheit an der Ed. Züblin AG übernommen und ließ manche Unternehmensteile des Stuttgarter Bauunternehmens direkt in die deutsche Strabag-Tochter eingliedern. Das missfiel der Familie Lenz, die die restlichen 46,4 Prozent an Züblin hält. Die Richter entschieden aber gegen Eberhard Lenz und dessen Anhang. Haselsteiner feierte die "Niederlage" von Lenz "in allen Punkten". Die Strabag ist mittlerweile das Unternehmen mit der größten Bauleistung in Deutschland.
Der zweite Anschluss
Bevor Magna und Stabag kamen, kannte man das österreichisch-deutsche Wirtschaftszusammenspiel nur mit umgekehrten Vorzeichen. Deutsche Unternehmen schluckten die österreichischen um die Jahrtausendwende nach Belieben. So ist dank der Rewe Group Austria die größte österreichische Handelskette (Billa, Bipa, Pennymarkt, Merkur) in deutscher Hand und mit Siemens ist auch der größte österreichische Industrie-Konzern eigentlich ein deutscher. Das hat den österreichischen Wirtschaftsjournalisten Klaus Grubelnik veranlasst, ein Buch mit dem Titel "Der zweite Anschluss" zu schreiben. Seine Frage ob der scheinbaren Omnipräsenz der deutschen Unternehmen in Österreichs Wirtschaft: Wird Östereich Deutschlands 17. Bundesland? Neun Jahre nach dem Erscheinen dieses Buches spricht im Alpenland keiner mehr von einem Anschluss an Deutschland. Jetzt sind sie halt gerade alle "ein bisserl" stolz, die Österreicher.
Markus Zottler
Freitag, 11. September 2009
-albanisch-
Lange hab ich überlegt, was ich aus dem Blog machen soll. Eigentlich wollte ich zu Wordpress wechseln und dann wieder regelmäßig bloggen (das ist irgendwie auch nachwievor mein Plan). Aber dann kamen so viele Sachen dazwischen: Eine tolle Deutschland-Reise, eine boomende Website, die natürlich viel Zeit für sich beansprucht, und eine spannende Arbeit im Journalistenbüro "Hinter Wien".
Als Überbrückung stell ich jetzt einmal einen Text online, in welchem ich mich mit dem Albanien zur Wendezeit auseinandergesetzt habe. Vielleicht wird das Blog ein Archiv - um damit allerdings Interesse zu wecken, fehlt mir noch ein Stück Florian Klenk. Also eher doch kein Archiv. Hier gibt's auf alle Fälle mal Albanien:
Enver liegt am Berg und verharrt in den Köpfen
Auch nach seinem Tod durfte er nicht aus den Köpfen der Bewohner Albaniens verschwinden. Junge Männer mussten hunderte weiße Steine schleppen, um mit ihnen weit über dem Meeresboden das Wort Enver zu formen. Enver Hoxha war zu Lebzeiten omnipräsent und ist es auf manchen albanischen Mauern und Gebirgszügen auch heute noch.
41 lange Jahre, bis zu seinem Tod 1985 ist der kommunistische Diktator verantwortlich für das gebirge Land im Südosten und verfolgt eine Politik der Isolation, wie sie in Europa einmalig ist. Stolz spricht Hoxha von Albanien als "unbezwingbarer Festung des Sozialismus und des Kommunismus an den Küsten der Adria". Sein Nachfolger Ramiz Alia soll Hoxhas Politik weiterführen, scheitert aber am Zeitgeist und seinem vorsichtigen Charakter.
Die Wende braucht etwas länger, um die Adria-Festung einzunehmen. Noch in den 1980er-Jahren lässt Hoxha tausende Bunker errichten, um die albanische Unabhängigkeit zu sichern. Ebenso gegenwärtig und gnadenlos wie die gut 600.000 Massivbauten ist die albanische Geheimpolizei "Sigurimi". Kinder müssen die eigenen Eltern ausspitzeln, die Bevölkerung soll lückenlos überwacht werden.
Als David Hasselhoff Ende 1989 auf der Berliner Mauer steht und nach Freiheit sucht, geht das an den Albanern spurlos vorüber. Erst 1990 schwappt die Welle des Protestes, die Welle der Demokratie schön langsam auf das Land am Südbalkan über: Im November gibt es Massendemonstrationen in Tirana und Shkodra und nur ein Monat später wird die "Demokratische Partei" gegründet. Die Kommunisten lassen sich aber nicht unterkriegen und in Folge dessen fliehen 10.000 Albaner an Board des Frachters "Vlora" nach Italien. Nach den Parlamentswahlen vom März 1992 tritt im April Ramiz Alia zurück, und das Parlament wählt Sali Berisha zum ersten nichtkommunistischen Staatspräsidenten Albaniens seit dem 2. Weltkrieg. Die Wende ist vollzogen - nur so richtig glücklich ist in dem Land, das wirtschaftlich am Boden liegt und einen fruchtbaren Boden für die organisierte Kriminalität bietet, trotzdem keiner. Bis heute nicht.
Markus Zottler
Donnerstag, 7. Mai 2009
-rechtzeitigkeit-
Da haben sie wieder zugeschlagen, diese schlimmen, ungezogenen Linken. In der stets rechten Eisenbahnerstadt Knittelfeld haben sie sich wirklich getraut, FPÖ-Plakate zu beschmieren. Noch dazu in den Tagen um den 1.Mai. Noch dazu, wo die FPÖ diese Plakate doch extra rechtzeitig aufgestellt hat, um diesen Tag gebührend zu feiern.Die FPÖ, die rechtzeitig zu den Aufmärschen der österreichischen
Linksparteien ihre Wahlwerbung plakatiert hatte, kündigte eine
Beseitigung und Erneuerung der verunstalteten Plakate an.
Tag der Arbeit - Tag der Arbeiter - Tag der FPÖ, wie man mittlerweile weiß.
Wahrscheinlich haben diese ungezogenen Linken dazu auch noch ihr internationales Kampflied gesungen - noch wahrscheinlicher, dass dies in der aggressiven und gefährlichen Faymann-Version passiert ist.
Im Übrigen bin ich gegen jegliche Gewaltanwendung an wehrlosen Plakaten!
Und das allen Ernstes.
Intasitis Links
Die komplette Prsseaussendung
Donnerstag, 26. März 2009
-googlewind-
Googlewind
Hier drinnen ist es warm, draußen scheint es zu stürmen. Vielleicht ist es aber auch einfach der Fahrtwind des Regionalexpresses. Express hat schon etwas unheimlich Beschleunigendes.
Zurückgeblieben sind hingegen so manche Strukturen. Starre Strukturen, die es eigentlich nicht mehr geben sollte. In einer Welt, in der alles so schnell läuft und Google pro Sekunde mehrere tausend neue Websites registriert. Aber Google ist ein eigenes Thema – das passt so ganz und gar nicht zu starren Strukturen. Der Speichergott könnte irgendwann einmal etwas aufdecken, noch schlimmer. irgendwann einmal etwas verändern. Nein, Veränderungen, das braucht es doch wirklich nicht. Und wenn sie von allen gewünscht werden? Dann gilt es einen auszugraben, der es nicht wünscht. In einer westlichen Gesellschaft, in der Respekt eine Tugend ist, muss der Einzelne erhört werden.
Eine weitere Tugend ist der Konsens. Als ich vor einiger Zeit nach Graz zog, dachte ich, dass Konsens das Ziel ist, welches zu erreichen die Welt besser machen würde. Und ich denke es mir noch immer. Allerdings scheint es schwieriger zu sein, einen Konsens zu erreichen, als einen herbeizureden. Um einen richtigen Konsens zu erreichen, ist Ehrlichkeit eine Voraussetzung. Ist man unehrlich, verkauft man eine Entscheidung als Konsens, die vor beiderseitigem Unbehagen strotzt und ihren Konsens darin findet, dass die Entscheidung keiner als Konsens empfindet.
Google ist ehrlich, vielleicht zu ehrlich für alte Strukturen. Google hat noch nie was erfunden, nur zu viel gefunden.
Das Resümee der Geschichte: Ach, müssen die Zeiten schön gewesen sein, als Kaiser Karl noch zu einer Verzichtserklärung gedrängt werden konnte, um damit das Leben von Millionen Menschen lebenswerter zu machen, obwohl googeln noch nicht einmal im Wörterbuch stand.
Dienstag, 17. März 2009
-fassadenschaden-
Neben den Landtagswahlen in Kärnten und Salzburg, standen auch die "Neue Politik" der SPÖ und das "Lieblingsthema" von Laura Rudas, die Bildungspolitk der SPÖ, im Mittelpunkt des Gesprächs.
Dabei kam es zu folgendem Statement der 28-jährigen:
(...)
Frage: Aber in Finnland, einem der Vorzeigeländer, arbeiten die Lehrer weniger. Man kann also mit der Stundenerhöhung sicher nicht die Qualität verbessern.
Rudas: Nein, darum geht es ja auch nicht. Das ist ein Einsparungspotential.
(...)
Eine ganz klare Ansage der Bundesgeschäftsführerin. Die Lehrer müssen etwas dazu beitragen, dass die Finanzkrise überstanden wird. Um Qualitätsverbesserung geht es dieser Maßnahme "nicht".
Im aktuellen profil gibt es nun ein Interview mit der zuständigen Ministerin, Bildungsministerin Claudia Schmied. Sie sagt zur Lehrerdebatte Folgendes:
(...)
profil: Sie haben Ihr Budget im Vorjahr um 200 Millionen Euro überzogen. Müssen die Lehrer das jetzt ausbaden?
Schmied: Diese 200 Millionen resultieren rein aus der Gehaltserhöhung für Lehrer. Es geht hier nicht um Sparen, sondern um kleinere Klassen, Tagesbetreung, Sprachförderung. (Also um Qualitätsverbesserung in den Augen der Ministerin. Anm.) Dafür brauche ich alle meine Lehrer. Und ich brauche noch ein Stückerl mehr Zeit von ihnen bei den Kindern.
(...)
Aha, nun ist also doch die Qualitätsverbesserung das Entscheidende?
Naja, muss es ja sein. Denn wenn die Lehrer schon aus rein budgetären Gründen mehr arbeiten sollen ohne dabei mehr zu verdienen, was sollen dann erst die Postbeamten, die Bahnbediensteten und die OMV-Mitarbeiter denken, wenn sie in die Zukunft blicken?
Abgesehen von den inhaltlichen Unstimmigkeiten in der Partei, ist es vor allem die Art und Weise wie man in dieser Causa mit der Öffentlichkeit kommuniziert, welche die SPÖ in einem sehr schalen Licht erscheinen lässt.
Nachdem zuerst vehement behauptet wurde, dass Finanzminister Pröll seine Unterstützung für die 2-Stunden-Erhöhung zugesichert hatte und nach Veröffentlichung des Sitzung-Protokolls (aus dem ganz klar herausging, dass der gewiefte Pröll zwar seine Unterstützung für Reformmaßnahmen ankündigte, nicht jedoch für eine Arbeitszeiterhöhung von 2 Stunden) ebenso vehement zurückgerudert wurde, nun der nächste kommunikative Fauxpas.
Das gesamte Interview mit Laura Rudas gibt es übrigens sehr bald in WM und auf JUKreiz.
Montag, 16. März 2009
-volksnah-
Nummer 1:
Frontal (5.Ausgabe, 15.März 2009)
Horst Schachner, steirischer ÖGB-Vorsitzender, im "Frontalk" zum Thema Überparteilichkeit:
Frontal: Wen wünsch Sie sich an der Spitze der nächsten Landesregierung?
Schacher: Natürlich Franz Voves, auch wenn ich als ÖGB-Vorsitzender überparteilich bin. Aber schließlich bin ich ein überzeugter Sozialdemokrat.
Nummer 2:
Kleine Zeitung (Vom 16.März 2009)
Andreas Schöberl und seine volksnahe Schreibweise über einen Auftritt des ehemaligen Toto-Gitarristen Steve Lukather in Spielberg:
Steve Lukather, Gitarrist der legendären Supercombo Toto, zeigte im ausverkauften Roten Saal des Kulturzentrums Spielberg, wo der Bartl den Most her holt.
Man kann nur hoffen, dass der Bartl diesen Parteibonzen echt mal zeigt, wo er den Most herholt und ihnen erklärt, was Überparteilichkeit bedeutet.
Links
Überparteilichkeit die Zweite
Montag, 9. März 2009
-ehrgeiz-
Trotz einstürzender Zäune lassen sich die Journalisten (?) nicht davon abhalten, dem rundlichen Alt-Star das Mikrofon unter die Nase zu halten.
Reisen sind was Schönes - vorallem nach London. Eine Stadt, die inspiriert. Eine Zeit, die Wichtiges in den Vordergrund stellt.
Zurück im Alltag: Hochschulstress zwingt mich, meinen Reisebericht zeitlich nach hinten zu verschieben. Zumindest die ersten Fotos konnte ich heute trotzdem uploaden: HIER gibt's Impressionen.
Enjoy it!
