Montag, 28. April 2008

-blase-

Eine kurze Zusammenfassung über eine Blase. Eine große Blase. Eine Spekulationsblase - die dotcom-Blase.

Die größte amerikanische Börse, die NASDAQ, wurde 1971 als erste elektronische Börse ins Leben gerufen und gilt als Technologiebörse. Die Spielwiese der "new economy".
Das deutsche Gegenstück dazu war ein Segment der deutschen Börse, welches als "Neuer Markt" bezeichnet wurde.
Wurde?
Wurde! Denn im Gegensatz zur NASDAQ existiert dieses Börsensegment nicht mehr.

1997 gegründet, verzeichnete der "Neue Markt" bis 2000 ein rasantes Wachstum. Eines der ersten Unternehmen, welches an dieser Börse seine Aktien anbot, war die deutsche Mobilcom. Mit großem medialen Getöse wurde der Börsengang am 10.März 1997 durchgeführt. Auf dem Höhepunkt des "Neuen Marktes" waren über 300 Unternehmen in diesem Segment gelistet. Die Aktien dieser Unternehmen stiegen bis zum 13.März beinahe ausnahmslos.

An diesem Tag ging Infineon, die Halbleitersparte der Siemens AG, an die Börse und führte einen Zusammenbruch der Handelssysteme der Frankfurter Wertpapierbörse herbei. Die Aktie war 33-fach überzeichnet und verdoppelte an nur einem Tag ihren Wert - der Höhepunkt des "Neuen Marktes" war erreicht.

Seit diesem 13.März gingen die Kurse kontinuierlich nach unten - erste Listen mit potenziellen Pleitekandidaten wurden auf Internetseiten und in der Presse veröffentlicht. Im September 2000 meldete mit Gigabell tatsächlich das erste Unternehmen in einer später endlosen Reihe Insolvenz an.

Wie es dazu kommen konnte?
Wie können Unternehmen, die eindrucksvolle Wachstumsraten aufweisen plötzlich Insolvenz anmelden?

Ich möchte das kurz anhand des deutschen Beispiels schlechthin darstellen.

Thomas Haffa war die wohl schillerndste Figur der deutschen "new economy" und auch global betrachtet keine unbedeutende Persönlichkeit. 1989 gründete der frühere Marketingmitarbeiter des Kirch-Konzerns EM.TV.
Bis 1997 ein mäßig erfolgreiches Unternehmen. In diesem Jahr ging EM.TV mit Hilfe der WestLB an die Börse und die Erfolgsgeschichte begann. Spektakuläre Deals wurden unter kräftiger Mithilfe Leo Kirchs durchgeführt. So wurden 1998 die Rechte für Kämpfe von Mike Tyson erstanden, um sie nur ein paar Monate später gewinnbringend an Kirchs Pay-TV zu verkaufen. Weitere dubiose Deals folgten!

"Junior.TV" wurde ins Leben gerufen. Rechte für bekannte Kinderfiguren wie "Heidi" oder "Die Feuersteins" wurden gekauft. Was geschah mit diesen Rechten? Natürlich wurden sie wieder gewinnbringend an Leo Kirch verkauft. In diesem Fall war es die Sat 1, welche um 200 Millionen Mark die Rechte abkaufte. Die Summe war auf fünf Jahre aufgeteilt.
Und wie verrechnet man solch Summen in einer Bilanz?
Naja, ganz einfach, man begeht einen "Buchungsfehler" (Florian Haffa,Bruder von Thomas. Zuständig für die Finanzen) und verrechnet den Großteil sofort in der aktuellen Bilanz.
Dies zieht eine eindrucksvolle Wachstumsrate nach sich und die Aktie schnellt in die Höhe.

Es folgten noch einige Bilanzen, die auf ähnliche Art und Weise zu Stande kamen und sehr bald war klar, dass EM.TV damit in die Öffentlichkeit gehen musste.

Als dies im Jahr 2000 passierte, fiel die Aktie ins Bodenlose und mit ihr der gesamte "Neue Markt". Die Anleger verloren ihr Vertrauen in die "new economy".

Die Leidtragenden waren Kleinanleger, die wenig Börsenerfahrung aufzuweisen hatten. Sie waren Haffas Tricks aufgesessen und verkauften schlussendlich zu "jedem Preis", während größere Anleger die Gefahr bereits frühzeitig erkannten und ihre Verluste zumindest minieren konnten.

Stellvertretend für die gesamte Entwicklung der "new economy" kann man also sagen, dass Unternehmen ihrer Gewinnerwartung nicht gerecht wurden, ihr nicht einmal gerecht werden konnten.
Um die hohen Erwartungen doch zu erfüllen wurden, wirtschaftlich betrachtet, wahnwitzige Aktionen getätigt, die sich selten im legalen Rahmen bewegten.
Die Börsenwerte der Unternehmen hatten oft keinerlei Bezug zum Umsatz. (EM.TV hatte am Höhepunkt 1999 einen Börsenwert, der das 86fache (!!) des Umsatzes darstellte)

Der Konkurrenzdruck war einfach zu groß und die Unternehmen übernahmen sich maßlos .

Traurig liest sich die Bilanz des "Neuen Marktes":
In 31 Monaten musste man einen Werteverlust von 96% feststellen, welches einem Volumen von rund 200 Mrd. Euro entspricht.

Das Börsensegment wurde im Juni 2003 geschlossen.

2 Kommentare:

malin hat gesagt…

"Qualität, ohne dabei unangenehm langatmig zu werden." (intasiti-Eintrag #01)
War dieses Versprechen auch eine Blase? Hihi.

intasiti hat gesagt…

Gute Anmerkung - aber der Blogeintrag sollte eigentlich ein Service für Mitstudenten darstellen, da er ja eine komprimierte Darstellung meines Referates ist.

Sollte er trotzdem langatmig sein - sorry hierfür. ;)